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20 Jahre Lichtenhagen - Gegen das Vergessen

25. August 2012 - Tausende Menschen gedachten den schrecklichen Ereignissen, deren Bilder vor 20 Jahren von Rostock-Lichtenhagen um die Welt gingen. Mehrere Tage lang dauerte das Pogrom gegen Flüchtlinge und ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter. Ein aggressiver Mob aus Neo-Nazis sowie Mitläuferinnen und Mitläufern schleuderte Steine und Brandsätze gegen das Sonnenblumenhaus -- unter Johlen und Beifallklatschen einer zuschauenden Menge. Die Einsatzkräfte der Polizei, Bundes- und Landespolitik, die ganze Zivilgesellschaft versagten. Es war reiner Zufall, dass in dem Inferno niemand ums Leben kam.

Die rassistischen Übergriffe erfolgten in einer Zeit, als die Debatte um eine Verschärfung des Asylrechts hochkochte. Sie war geprägt von ‚Das Boot ist voll'-Sprüchen, die die Lage mit eskalieren ließen. Nach den Ausschreitungen kam es dann auch zur faktischen Abschaffung des Rechts auf Asyl. Die Drittstaatenregelung wurde eingeführt, wonach Flüchtlinge abgewiesen werden können, wenn sie über ein als sicher geltendes Land einreisen.

Es ist gut, dass auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Menschen in einem friedlichen Demonstrations- und Gedenkzug an die Ereignisse erinnerten und deutlich machten: Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Hass und Gewalt dürfen keinen Raum haben -- nicht in Rostock und nirgendwo. In diesem Zusammenhang muss die Aussage von Innenminister Lorenz Caffier aufs Schärfste zurückgewiesen werden, der ein Großaufgebot der Polizei gegen drohende ‚linksextremistische Übergriffe' angekündigt hat. Das ist eine völlig überzogene und unangebrachte Stimmungsmache.