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Torsten Koplin

Heinrich Fink: Christ und Sozialist. Friedensaktivist und Antifaschist. Weggefährte und Freund.

Grimm, Peer
ADN- Grimm 8.6.90 Berlin: Mahnwache- Der Rektor der Humboldt-Universität Berlin, der Theologe Prof. Dr. Heinrich Fink (r), versicherte den Studenten bei ihrer Mahnwache vor dem Berliner Dom seine Unterstützung und forderte sie auf, die Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei einzuhalten. Durch weiträumige Absperrungen vor der Volkskammer durch ein starkes Polizeiaufgebot war eine gespannte Situation entstanden.
Berlin, Studentenmahnwache, Heinrich Fink

Wer sich das Programm der Partei DIE LINKE zur Hand nimmt und es zu lesen beginnt, stößt zunächst auf „Fragen eines lesenden Arbeiters“, ein Gedicht aus der Feder Bertold Brechts. Heiner hatte seinerzeit dem Parteitag vorgeschlagen, es dem Programm voran zu stellen und hierzu das Einverständnis der Tochter Brechts eingeholt. Den Vorschlag zu unterbreiten, genau dieses Gedicht als Intro für das Programm unserer Partei des demokratischen Sozialismus auszuwählen, ist geradezu bezeichnend. Es belegt den Klassencharakter gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, der heutigen allemal.

Heinrich hat zeitlebens Partei ergriffen für diejenigen, die die Werte tatsächlich mit eigener Köpfe und Hände Arbeit schaffen, für diejenigen die ausgebeutet, ausgegrenzt und erniedrigt werden. Mit dem Gedicht wird eine Analogie zu geschichtlichen Ereignissen gezogen. Heinrich war als Theologe historisch und kulturell ausgesprochen kenntnisreich. Die „Fragen eines lesenden Arbeiters“ haben einen offenen Ausgang. „So viele Fragen“, heißt es in der Schlusszeile. Er war undogmatisch, seine Gesprächspartner stets einladend zum selber Denken, anregend zum sich Fragen stellen.

All das immer in einer herzerfrischenden Art. Freundlich lächelnd, klug, wissend und interessiert zugleich. Wann immer man anrief, wann immer man ihn ansprach: Heinrich vermittelte einem das gute Gefühl, willkommen zu sein, genoss seine Achtsamkeit, erfuhr Rat und Tat. Jedes Mal hatte man den Eindruck, als hätte Heinrich geradezu auf den Anruf, auf das Gespräch gewartet. Ein schönes Gefühl, unverstellt, authentisch.

Heinrich Fink war ein entschiedener Streiter für Humanismus. Mit aller Kraft, bis an sein Lebensende, kämpfte er für die friedliche Lösung von Konflikten, gegen Rassismus und Faschismus. Er war auf Demonstrationen ebenso zu erleben wie auf Gedenkveranstaltungen, hielt Vorträge, war Partner in großen wie in kleinen Gesprächsrunden und hielt persönlichen Kontakt zu überlebenden Kämpfern gegen den Faschismus. Mehr als ein Jahrzehnt war Heinrich Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. 

Als Bundestagsabgeordneter, entsandt auf der Liste des Landesverbandes der PDS, engagierte sich Heinrich umtriebig zu den verschiedensten Themen für die Belange der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Er stand mit uns gemeinsam an Info-Ständen auf Straßen und Plätzen. Bereitwillig nahm er Einladungen zu Foren an. Ihm war es wichtig, zu informieren, sein Wissen weiter zu geben und zu motivieren sich selber einzubringen, in die eigenen Angelegenheiten. Auch nach der Zeit als Bundestagsabgeordneter war Heinrich Fink ein enger Weggefährte unseres Landesverbandes. Vor einiger Zeit noch erlebten wir ihn als Gesprächspartner an der „Sonntagstafel“ in Neustrelitz.

Reisen mit Heinrich nach Israel waren ein besonderes Erlebnis. Wo sonst konnte man aus Sicht eines Christen, der zugleich demokratischer Sozialist war, an historischen Stätten etwas über den Ursprung des Christentums erfahren und zugleich angeregt werden, über die Gemeinsamkeiten von Christen und Sozialisten in der heutigen Zeit nachzudenken.

Heinrich war politischer Weggefährte und ein guter Freund, herzenswarm und zugewandt. Wunderbar und außergewöhnlich, seine persönlichen Weihnachtskarten mit klugen Gedanken, guten Wünschen und voller Optimismus.

Am 1. Juli 2020 starb Heinrich Fink. Wir sind sehr traurig, aber auch dankbar, ihn kennengelernt zu haben, von ihm gelernt zu haben. Wenn wir nun ohne ihn weiter streiten, für eine friedliche, solidarische und gerechte Gesellschaft, so tun es diejenigen, die mit Heinrich kämpften, getragen von den gemeinsamen Erlebnissen und gemachten Erfahrungen.