Zur Zukunft junger Menschen im Land: Berufliche Bildung sichern
Zur Veranstaltung des Verbands der Bildungsunternehmen Mecklenburg-Vorpommern e. V. erklärt der Abgeordnete, Dr. Daniel Trepsdorf:
„Die berufliche Bildung entscheidet darüber, ob Mecklenburg-Vorpommern genügend Fachkräfte hat, wirtschaftlich stabil bleibt und junge Menschen im Land hält. Das ist die zentrale Botschaft der heutigen Veranstaltung des Verbands der Bildungsunternehmen Mecklenburg-Vorpommern e. V. (VBU). Unter dem Titel ‚Berufliche Bildung, Weiterbildung und Fachkräftesicherung in Mecklenburg-Vorpommern‘ wurde deutlich: Es geht um nicht weniger als die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, soziale Stabilität und gleichwertige Lebensverhältnisse in unserem Land.
Im Zentrum der diskutierten Probleme steht der Lehrkräftemangel an beruflichen Schulen. Dieser führt zu Unterrichtsausfällen, hoher Belastung und eingeschränkter Verlässlichkeit. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Fachkräften in zentralen Bereichen wie Pflege, Erziehung, Handwerk und Technik. Deshalb braucht es eine echte Personaloffensive mit besseren Arbeitsbedingungen, mehr Ausbildungskapazitäten und der Weiterführung der Programme für den Seiteneinstieg.
Ein zentrales Spannungsfeld besteht zwischen wohnortnaher Ausbildung und notwendiger Bündelung von Ressourcen. Mecklenburg-Vorpommern braucht weiterhin ein flächendeckendes Angebot, damit junge Menschen vor Ort bleiben und Betriebe ausbilden können. Gleichzeitig müssen neue Wege gefunden werden, um Qualität zu sichern – etwa durch Kooperationen, Schwerpunktbildung und hybride Lernmodelle. Für die Linksfraktion ist dabei entscheidend: Ländliche Räume dürfen nicht abgehängt werden. Gerade dort zeigt sich besonders deutlich, wie eng Berufsschulstandorte, Mobilität, Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und Bleibeperspektiven junger Menschen zusammenhängen.
Die berufliche Orientierung wurde durch das Bildungsministerium gestärkt. Sie beginnt früher, systematischer und praxisnäher.Kompetenzanalysen, das Kennenlernen unterschiedlicher Berufsbilder und verlässliche Konzepte für den Übergang von der Schule in die Ausbildung sind entscheidend, damit Jugendliche ihre Perspektiven realistisch entwickeln können. Gleichzeitig ist es nicht hinnehmbar, dass auf der einen Seite viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, während auf der anderen Seite junge Menschen zu oft keinen passenden oder erreichbaren Einstieg finden. Schule und Wirtschaft müssen deshalb enger und verbindlicher miteinander vernetzt werden.
Wichtig ist dabei auch, außerschulische Partner und Bildungsträger stärker einzubeziehen. Projekte des sozialen und praxisbezogenen Lernens können helfen, Interessen zu entwickeln, Selbstvertrauen aufzubauen und berufliche Wege greifbarer zu machen. Berufliche Bildung ist nicht nur Fachkräftesicherung, sondern immer auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Wer im ländlichen Raum lebt, wenig Unterstützung im Elternhaus erfährt oder längere Wege in Kauf nehmen muss, darf dadurch keine schlechteren Chancen haben.
Künstliche Intelligenz und Robotik werden auch in Mecklenburg-Vorpommern in naher Zukunft Prozesse effizienter und planbarer machen, doch ihre Verlässlichkeit hängt entscheidend von transparenter Entwicklung, klaren sozialen Standards und menschlicher Kontrolle ab. Technologischer Wandel ersetzt keine Ausbildungspolitik. Im Gegenteil: Die Entwicklung muss aufmerksam begleitet werden, weil neue Anforderungen an Qualifikation, Weiterbildung und berufliche Anpassungsfähigkeit entstehen. Die Arbeitswelt von morgen verlangt lebenslanges Lernen und die Bereitschaft, sich beruflich auch neu zu orientieren.
Deshalb reicht die Erstausbildung allein nicht mehr aus. Berufliche Schulen müssen stärker als Orte des lebenslangen Lernens etabliert werden – mit flexiblen, anerkannten und praxisnahen Angeboten. Dazu gehört auch, über neue Instrumente wie ein Fortbildungskonto nachzudenken, damit Weiterbildung im Berufsleben tatsächlich erreichbar und finanzierbar wird. Ebenso wichtig ist, auslaufende Förderstrukturen nicht einfach hinzunehmen. Wenn ESF-Förderungen wegfallen, müssen Land und Bund Verantwortung übernehmen und entstandene Lücken schließen.
Zugleich wurde deutlich, dass gute Verkehrsverbindungen, bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende und verlässliche Übergänge in Ausbildung entscheidend für den Erfolg sind. Auch internationale Erfahrungen gehören stärker in den Blick. Noch immer nutzen nur sehr wenige junge Menschen die Möglichkeit, während ihrer Ausbildung Auslandserfahrungen zu sammeln, obwohl das Interesse deutlich größer ist. Mehr Mobilität, mehr Austausch und mehr Unterstützung können die berufliche Bildung attraktiver und zukunftsfester machen.
Die Herausforderungen sind bekannt, die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt braucht es politischen Mut, klare Prioritäten und entschlossenes Handeln für die berufliche Bildung in Mecklenburg-Vorpommern.“
