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Homeoffice wird künftig mehr sein als ein Krisenreaktionsinstrument

Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Entwicklung von Homeoffice seit Beginn der Corona Krise in M-V“ (Drs. 7/5765) erklärt der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:

„Homeoffice ist für einen Teil der Beschäftigten seit langem technisch möglich und wird derzeit wegen der Covid-19-Pandemie als Instrument zur Kontaktvermeidung am Arbeitsplatz immer häufiger eingesetzt. Zur Situation in Mecklenburg-Vorpommern ist die Landesregierung nur bedingt auskunftsfähig, für die Wirtschaft verweist sie auf fehlendes Zahlenmaterial für das Jahr 2020. Dies verwundert, wird die Diskussion über das Homeoffice doch gerade in der Corona-Krise rauf und runter und teilweise hochemotional geführt.

Im eigenen Zuständigkeitsbereich wird Homeoffice häufig genutzt. In der Staatskanzlei und den Ministerien arbeiteten im Juni 2020 die Hälfte der Beschäftigten von zu Hause, zuletzt waren es 86 Prozent. Auch in den Landesbehörden ist Homeoffice weit verbreitet, 65 Prozent der Beschäftigten nutzen zurzeit das Instrument. Wie hoch die Präsenzanteile am Arbeitsplatz gegenüber der Zeit im Homeoffice sind, variiert je nach Aufgabengebiet.

Eigenartig mutet die Antwort der Landesregierung zum mehrfach angekündigten Gesetzentwurf aus dem Hause von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil an. Dieser hatte ursprünglich eine gesetzliche Regelung für einen Anspruch auf bis zu 24 Tage im Jahr vorgesehen, sofern betriebliche Erfordernisse dem nicht entgegenstehen. Der Widerstand von CDU/CSU führte dazu, dass der Entwurf derart abgeschwächt wurde, dass Beschäftigte nun lediglich ihren Anspruch beim Arbeitgeber geltend machen können. Dieser kann mit Daumen rauf oder runter reagieren. Die Schweriner Koalitionäre drücken sich um eine klare Positionierung und bekunden, keine Kenntnis von dem Papier zu haben.

Dabei gibt es ausreichend Regelungsbedarf. Nach Informationen der Hans- Böckler-Stiftung haben lediglich 17 Prozent aller Beschäftigten im Homeoffice in Deutschland entsprechende arbeitsvertragliche Regelungen. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 blieben einer Studie der Fachhochschule Dortmund zufolge 80 Prozent der befragten Beschäftigten im Homeoffice auf den daraus entstandenen Kosten wie erhöhten Strom- und Heizkosten oder Kosten für die technische Ausstattung sitzen. Auch weitere Fragen, wie ein Rückkehrrecht an den eigentlichen Arbeitsplatz, eine professionelle Arbeitszeiterfassung oder die Sicherstellung von Arbeitsschutz und Unfallverhütung, bedürfen jenseits der aktuellen Situation einer gesetzlichen Grundlage. Denn Homeoffice wird und muss nach der Corona-Krise mehr sein als ein Reaktionsinstrument.“